Die DKP München ist Geschichte ...*

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04.11.2017: Am 2. November hat in München die Kreisdelegiertenkonferenz der DKP München stattgefunden. Im Referat des Kreisvorstandes wurden die Herausforderungen für kommunistische Politik aufgeworfen und entwickelt, dass die DKP diesen Herausforderungen nicht mehr gewachsen ist. Dem Parteivorstand wird vorgeworfen, in "längst überwunden geglaubten Dogmatismus zurückgefallen zu sein, die Situation so eskaliert zu haben, dass die DKP zur Sekte verkommt und gesellschaftlich überflüssig wird".

Für viele Delegierte war diese Konferenz die letzte Parteisitzung. Dutzende Mitglieder der DKP München werden in den nächsten Tagen und Wochen aus der Partei austreten. Oder sie haben diesen Schritt bereits vollzogen.

Darunter sind GenossInnen, die seit mehr als 60 Jahren in der kommunistischen Bewegung und ihren Parteien (KPD, DKP und SED) aktiv waren und sind. Mitglieder, die den Holocaust überlebt haben, deren Eltern im Widerstand gegen den Faschismus im KZ eingesperrt waren, die in der Illegalität der Adenauer-BRD monate-, jahrelang im Gefängnis saßen (verurteilt von Richtern, die sie schon aus der NS-Zeit kannten), Mitglieder, die im Aufbau der Friedensbewegung und den Ostermärschen eine führende Rolle gespielt haben, die Berufsverbot hatten, GenossInnen die heute stadtweit als KommunistInnen bekannt sind. Das ist für viele kein einfacher Schritt, denn eine solche (Partei-)Zugehörigkeit ist nicht nur eine politische, sondern oft auch eine emotionale oder sogar familiäre.

Da der bisherige Kreisvorstand nicht mehr kandidierte und in seiner Mehrheit aus der DKP austreten wird, konnte kein neuer Kreisvorstand gewählt werden. Die Kreisdelegiertenkonferenz und der kommissarisch im Amt bleibende Kreisvorstand haben für Samstag, 18. November, 14 Uhr eine außerordentliche Kreismitgliederversammlung einberufen. Auf dieser Kreismitgliederversammlung werden diejenigen Genossinnen und Genossen, die in der DKP verbleiben, einen neuen Kreisvorstand wählen. Das wird aber dann nicht mehr die DKP München sein, wie sie bisher bekannt war.

Kerem Schamberger, einer der bisherigen Sprecher der DKP München, sagt: "Auch nach unserem Austritt bleiben wir KommunistInnen (zu früh gefreut, Verfassungsschutz!). Viele von uns werden in der marxistischen linken weiterarbeiten, einige zur Partei DIE LINKE gehen und weitere wiederum werden unorganisiert bleiben. Wir haben uns aber darauf geeinigt in München als Kollektiv unsere politische Arbeit fortzuführen, egal welches Parteibuch oder welche Vereinsmitgliedschaft wir in der Tasche tragen. Uns ist bewusst, dass wir derzeit eine Übergangsphase erleben, in der sich eine langfristige politische Organisierung für KommunistInnen noch herauskristallisieren muss. Ein fertiges Patent, ein anziehendes, dauerhaftes Projekt, gibt es für linke und kommunistische Kräfte in der heutigen Zeit noch nicht. Wir werden mit vielen anderen daran arbeiten, ein solches zu entwickeln."
a luta continua - Der Kampf geht weiter!

* ... in ihrer jetzigen Zusammensetzung und mit ihrer Politik, mit der sie sich in vielen sozialen Bewegungen in München, Bayern und darüber hinaus einen Namen gemacht hat.

Quelle: DKP München